Curriculum zur Weiterbildung "Klinischer Neuropsychologe VNN"


1. Ziele

Der VNN bietet eine Weiterbildung zum „Klinischen Neuropsychologen VNN“ an.
Ziel dieser Weiterbildung ist es, zu einem qualifizierten neuropsychologischen Behandlungsangebot für Menschen mit Erkrankungen des Zentralnervensystems beizutragen.
Die Teilnehmer erwerben Kenntnisse und Fertigkeiten in neuropsychologiespezifischen Behandlungsangeboten und neuropsychologischem Fachwissen. Die Ausbildung soll praxisnah erfolgen und sich im Schwerpunkt an Besonderheiten eines ambulanten Vorgehens orientieren.

Die Weiterbildung umfaßt 500 Stunden strukturiertes Curriculum (300 Stunden Seminare, 100 Stunden Supervision, 100 Stunden Wahlpflichtveranstaltungen), 3 Falldokumentationen, davon eine als Gutachten. Die Ausbildungsdauer beträgt mindestens 3 Jahre und muss eine mindestens einjährige neuropsychologische berufspraktische Tätigkeit beinhalten.

2. Zulassung zur Weitebildung

Voraussetzung zur Zulassung zur Weiterbildung ist ein abgeschlossenes Studium der Diplom-Psychologie oder des Master-Studiengangs Psychologie.
Der Antrag auf Zulassung ist mit einer Kopie des Diplomzeugnisses / des Masterstudienzeugnisses der Psychologie oder eines äquivalenten Abschlusses an den Weiterbildungsausschuss oder den Vorstand des VNN zu richten.
Die Kosten der Weiterbildung werden vom Vorstand festgelegt und im Ausbildungsvertrag festgehalten. VNN-Mitglieder erhalten eine Ermäßigung.

3. Abschluß

Der Antrag auf Zertifizierung kann nach absolvierter Weiterbildung und bei Vorlage einer Kopie des Diplom-/Master Zeugnisses (oder eines äquivalenten Abschlusses) und dem Nachweis über eine berufspraktische Tätigkeit an den Weiterbildungsausschuss oder den Vorstand des VNN gerichtet werden.
Voraussetzung zum erfolgreichem Abschluß ist der Nachweis über:

  • 300 Stunden fachbezogene Weiterbildung/ Seminare mit den unten aufgeführten Inhalten
  • 100 Stunden fallbezogener/ berufsbezogener Supervision
  • 100 Wahlpflichtveranstaltungen aus den unten genannten Inhaltsbereichen
  • mindestens einjährige berufspraktische Vollzeittätigkeit oder entsprechender Teilzeittätigkeit
  • drei Falldokumentationen, davon ein Gutachten bzw. in Gutachtenform

Bei erfolgreichem Abschluss der o.g. Weiterbildung erhalten die Teilnehmer durch ein Zertifikat die Berechtigung, die Bezeichnung „Klinischer Neuropsychologe VNN“ zu führen. Diese Bezeichnung ist kein führungsfähiger Titel. Die Zertifizierung erfolgt nach positiver Beurteilung des Weiterbildungsausschusses durch den Vorstand des VNN. Ein Widerspruch gegen einen ablehnenden Bescheid ist möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

4. Bestandteile der Weiterbildung

 

 

Angebot Stunden
Biologische Grundlagen 32
Psychiatrie/ Neurologie 16
Psychopharmakologie 08
Neurolinguistik 08
Entwicklungsneuropsychologie 08
  72
1. Medizinische/biologische Grundlagen
  • Weiterbildungsinhalte:
    Medizinisches/biologisches Grundlagenwissen: Kenntnisse über ZNS-Funktionen und deren Zuordnung zu Hirnstrukturen, über elektrophysiologische Studien und bildgebende Verfahren (CT, MRT, etc.), über Informationsverarbeitung und Läsionsstudien sowie über die Deskription klassischer neuropsychologischer Syndrome
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Z. B. Besprechung von CT und MRT Bildern anhand von Fallbeispielen, eigenständige Befundung, etc.
2. Psychiatrie/Psychopathologie, Neurologie
  • Weiterbildungsinhalte: Vorstellung klassischer psychiatrischer und neurologischer Syndrome und Erkrankungen auch unter Berücksichtigung der zugeordneten Hirnstrukturen, Entstehung und Behandlung, hirnorganisch bedingte Störungen der Emotion, Motivation und Persönlichkeit
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Z. B. Deskription klassischer neurologischer und psychiatrischer Syndrome anhand von Videobeispielen, Erstellung eines psychopathologischen Befundes, Demonstration einer neurologischen Untersuchung, etc.
3. Psychopharmakologie
  • Weiterbildungsinhalte:
    Grundbegriffe der Pharmakologie, Kenntnisse der Anwendung und Wirkungsweise der gängigen Psychopharmaka, Geriatrika, Nootropika u.ä., deren Wirkungsmechanismen, Dynamik, Neben- und Wechselwirkungen; Berücksichtigung der Einschränkung der Gültigkeit von Testergebnissen durch Medikamente, etc.
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Z. B. Erarbeitung von Wirkungen, Neben- und Wechselwirkungen an Fallbeispielen, Umgang mit dem Nachschlagewerk ”Rote Liste”.
4. Neurolinguistik
  • Weiterbildungsinhalte:
    Kenntnisse in den verschiedenen zentral bedingten Störungsbildern der Sprache und des Sprechens wie z. B. Aphasie, Dysarthrie, Sprechapraxie etc., deren Diagnostik (z.B. AAT u.ä.) und Differentialdiagnostik (z.B. zu SES und funktionellen Sprachstörungen) und Behandlung
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Z. B. Spontansprachenanalyse anhand von Fallbeispielen, Durchführung von AAT, AABT, etc.
5. Entwicklungsneuropsychologie (Kindheit und Jugend; Alter)
  • Weiterbildungsinhalte:
    Kenntnisse in entwicklungsbedingten Erkrankungen des ZNS und deren neuropsychologischen Folgen, Besonderheiten in der Diagnostik und Behandlung
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Deskription klassischer Störungsbilder an Fallbeispielen und/oder Videobeispielen, testspezifische Besonderheiten, etc.
6. Lernen und Motivation
  • Weiterbildungsinhalte:
    Kenntnisse in Lern- und Motivationstheorien und deren Anwendung in der neuropsychologischen Diagnostik und Behandlung, spezifische Besonderheiten bei neuropsychologischen Patienten, ausgewählte Fragestellungen (z.B. Widerstand, fehlende Zielbildung, Anosognosie)
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Rollenspiele und Verhaltensübungen, Deskription an Fallbeispielen und/oder Videobeispielen, spezifische Besonderheiten, etc.
Angebot Stunden
Anamnese u. Exploration 08
Verhaltensbeobachtung und -analyse 18
Testverfahren und Differentialdiagnostik 28
Begutachtung 12
Fahrtauglichkeit 06
  72
1. Anamnese, Exploration und Verhaltensbeobachtung
  • Weiterbildungsinhalte:
    Kenntnisse in Erhebung der biographischen und Krankheitsanamnese, Erhebung der biographischen und aktuellen Lebenssituation unter besonderer Berücksichtigung neuropsychologischer Defizite sowie anderer ätiologischer u. störungsspezifischer Befunde, Erhebung und Berücksichtigung von Fremdanamnesen, Qualitative Daten in der neuropsychologischen Testung und Behandlung, Arten und Durchführung systematischer Verhaltensbeobachtung (z.B. Ratingverfahren u.a.), Arten der Datenregistrierung und Dokumentation, Auswertung und Interpretation
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Gegenseitige Erhebung der Anamnese, Abfassung eines Befundes, Demonstration eines Erstgesprächs, Bearbeitung von Fallbeispielen, kollegialer Erfahrungsaustausch, etc.
2. Testverfahren im überblick
  • Weiterbildungsinhalte:
    überblick über Testverfahren für spezifische Funktionsbereiche Kenntnisse in Aufbau und Durchführung sowie in der hypothesengeleiteten Auswahl und Auswertung der psychodiagnostischen/neuropsychologischen Testverfahren (z. B. TAP, RBMT, HAWIE-R, u.a.) zusätzlich Kenntnisse in klinisch-psychologischer Diagnostik (z. B. FPI, BDI, u.a.)
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Exemplarische Durchführung und Auswertung von Tests, Beurteilung der Güte eines Testverfahrens, kollegialer Erfahrungsaustausch
3. Differentialdiagnostik
  • Weiterbildungsinhalte:
    Klassische Fragestellungen (z.B. Depression vs. Demenz), häufige Problemstellungen bei Differentialdiagnosen (Auswahl geeigneter Untersuchungsverfahren, Abgrenzungskriterien), Berücksichtigung von Fremdbefunden
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Bearbeitung ausgewählter Fallbeispiele, hypothesengeleitete Auswahl geeigneter Testverfahren, Erarbeitung einer abschließenden Beurteilung etc.
4. Begutachtung
  • Weiterbildungsinhalte:
    Rechtliche Grundlagen und Begrifflichkeiten, formaler und inhaltlicher Aufbau, typische Fragestellungen, Auftraggeber und Liquidation
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Diskussion eines vorliegenden Gutachtens, Abfassen von relevanten Teilbereichen eines Gutachtens, z. B. Beantwortung der Fragestellung, Diskussion kritischer gutachterlicher Entscheidungen etc.
5. Fahrtauglichkeit
  • Weiterbildungsinhalte:
    Rechtliche Grundlagen, kriteriumsorientierte Messung, geeignete Testverfahren, spezifische Krankheitsbilder.
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Diskussion anhand eines Gutachtenfalls, Musterformblätter, etc.
Angebot Stunden
Therapieplanung 08
Behandlungsmethoden u. Interventionsmaßnahmen 96
Krankheitsverarbeitung 08
Wiedereingliederung 12
Falldokumentation 12
  136
1. Therapieplanung (Behandlungsplan)
  • Weiterbildungsinhalte:
    Entwicklung von Therapiezielen aus Diagnostik und Anamnese, Zuordnung von Behandlungsmethoden zu Zielen, hierarchischer Therapieaufbau, zeitliche Gliederung: Nah- und Fernziele, interdisziplinäre Kooperation
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Erstellung eines exemplarischen Behandlungsplans, Dikussion eigener Fallbeispiele, etc.
2. Behandlungsmaterial und -methoden
  • Weiterbildungsinhalte:
    Vorstellung computergestützter und paper-pencil-Standard-Verfahren, Erarbeitung interner und externer Kompensationsstrategien, Tagesstrukturierung, Adaptation an den Patientenalltag, Entwicklung eigenen Materials, etc.
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Erprobung vorhandener Materialien, exemplarische Adaptation an ausgewählte Einzelfälle, Erfahrungsaustausch, etc.
3. Spezifische Interventionsmaßnahmen und adaptive Psychotherapie
  • Weiterbildungsinhalte:
    geeignete Behandlungsmethoden für z. B. Frontalhirnsyndrom, hypoxische Hirnschäden, Demenz, Tumorerkrankungen; ausgewählte Problemstellungen (z.B. organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, Anosognosie, Affektlabilität, Störungen der Impulskontrolle, Antriebsstörungen, assoziierte psychische Störungen, Förderung sozialer Kompetenz)
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Bearbeitung ausgewählter Fallbeispiele, exemplarische Anwendung von Methoden z. B. Problemlösestrategien an ausgewählten Fällen, kollegialer Erfahrungsaustausch
4. Krankheitsverarbeitung
  • Weiterbildungsinhalte:
    Relevanz subjektiver Krankheitstheorien, Interaktionsverhalten, psychoedukative Maßnahmen, Interventionsstrategien, Vermeidung von Depression, Einbindung des sozialen Umfeldes
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Fallbeispiele, Selbstreflexion, kollegialer Erfahrungsaustausch
5. Berufliche und soziale Integration
  • Weiterbildungsinhalte:
    Determinanten und Erfolgsprädiktoren von beruflicher Wiedereingliederung, rechtliche Rahmenbedingungen, Hamburger Modell der beruflichen Wiedereingliederung, Möglichkeiten und Grenzen therapeutischen Handelns, interdisziplinäre Zusammenarbeit (z.B. mit Berufshelfern, Sozialarbeitern, ärzten, Arbeitgebern). Angehörigenarbeit, Nutzung von außertherapeutischen Einrichtungen (z.B. Sportgruppen, Selbsthilfegruppen)
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Anhand von Fallbeispielen können stufenweise berufliche Wiedereingliederung oder die Adaptation eines Arbeitsplatzes nachvollzogen werden
6. Falldokumentation und Berichterstellung
  • Weiterbildungsinhalte:
    Formale und inhaltliche Gestaltung von Berichten, Erst- und Verlängerungsanträgen, Aktenführung, rechtliche Aspekte (z.B. Datenschutz, Datensicherung)
  • Praxisorientierte Umsetzung:
    Demonstration und Erarbeitung von Beispielen (Musterberichte und -anträge)
Angebot Stunden
Rahmenbedingungen und Ethik 20
  20
    1. Rechtliche/ institutionelle Rahmenbedingungen und interdisziplinäre Kooperation
    • Weiterbildungsinhalte:
      Relevante Teilbereiche des SGB/ BGB, Rechte und Pflichten des Patienten und der Kostenträger, Kostenübernahme und Vertragswesen, Betreuung, Besonderheiten und Unterschiede des ambulanten und stationären settings, überblick über Aufgabengebiete von Nachbardisziplinen (Ärzte, Sprachtherapeuten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten u.a.), Netzwerke, etc.
    • Praxisorientierte Umsetzung:
      Erfahrungsaustausch, Besprechung von ausgewählten Fallbeispielen.

    2.Berufsethik
    • Weiterbildungsinhalte:
      Ethische Fragestellungen in der Neuropsychologie (z.B. Grenzverletzungen - Grenzsicherung, freier Wille vs. Fremdbestimmung z.B. bei Patienten mit Anosognosie)
    • Praxisorientierte Umsetzung:
      Diskussion anhand von Fallbeispielen
Angebot Stunden
Supervision 100
  100

Kollegiale Intervision, Gruppensupervision und / oder Einzelsupervision

Angebot Stunden
Freie Auswahl aus den vorherigen Themengebieten 100
  100

Nachweis über 100 Stunden Wahlpflichtveranstaltungen im Bereich Neuropsychologie/ Neurologie: D. h. diese 100 Stunden müssen absolviert werden, der Themenbereich kann jedoch aus o. g. Seminaren ausgewählt werden und/oder durch die Teilnahme an:

  • Kongressen und Kolloquien
  • Fortbildungen und Seminaren
  • Fallkonferenzen
  • Praktika
  • Berufsrechtliche Veranstaltungen
erfolgen.